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Rolle

Beirat im Family Office: Rat von außen

Stand: · Leutrim Miftaraj, FLIORE · Redaktionsgrundsätze

Kurzantwort

Ein Beirat bringt externe Erfahrung in das Family Office: Er berät Familie und Leitung zu Strategie, Anlagen, Governance oder Nachfolge und wirkt als neutrale Instanz bei Konflikten. Er ist meist beratend, kann aber auch Kontroll- oder Zustimmungsrechte erhalten. Gestaltung und Rechte sollten schriftlich geregelt werden, damit klar bleibt, wer entscheidet und wer haftet.

Wozu ein Beirat dient

Family Offices sind kleine Organisationen mit großer Verantwortung. Ein Beirat bringt Perspektiven, die im Team fehlen: unternehmerische Erfahrung, Anlagekompetenz, Rechts- und Steuerwissen, Erfahrung mit Familien in ähnlicher Lage. Er stellt kritische Fragen, die intern niemand stellt, und hilft der Familie, die Leitung zu beurteilen.

Mögliche Aufgaben

  • Beratung zu Strategie, Anlagepolitik und Organisation.
  • Begleitung der Nachfolge in Familie und Family Office.
  • Vermittlung bei Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Familie.
  • Auswahl und Beurteilung der Leitung des Family Office.
  • Zustimmung zu bestimmten Geschäften, wenn ihm dieses Recht übertragen wird.

Rechtliche Einordnung

Gesetzlich ist ein Beirat in der Regel nicht vorgeschrieben. In einer deutschen GmbH kann ein Beirat im Gesellschaftsvertrag vorgesehen werden; erhält er überwachende Aufgaben, gelten je nach Ausgestaltung aktienrechtliche Vorschriften entsprechend. In der Schweiz kennt das Aktienrecht keinen Beirat als Organ; ein Advisory Board berät, ohne Organfunktion. Bei der österreichischen Privatstiftung sieht das Privatstiftungsgesetz einen Beirat ausdrücklich als mögliches Organ vor.

Vorsicht bei der faktischen Organstellung: Wer tatsächlich wie ein Organ entscheidet, kann auch wie ein Organ haften. Ein beratender Beirat sollte deshalb beraten und nicht anweisen.

Einen Beirat einrichten

  1. Zweck und Rechte festlegen: beratend, überwachend oder mit Zustimmungsvorbehalten.
  2. Profil der Mitglieder bestimmen und Unabhängigkeit sicherstellen.
  3. Reglement mit Amtszeit, Sitzungsrhythmus, Vertraulichkeit und Vergütung verabschieden.
  4. Informationsfluss regeln: welche Unterlagen der Beirat wann erhält.
  5. Haftung klären und, wo nötig, eine Versicherung abschließen.

Zusammensetzung

Drei bis fünf Mitglieder sind üblich: externe Fachleute und, je nach Familie, ein oder zwei Familienmitglieder. Unabhängigkeit ist wichtig – Berater, die gleichzeitig bezahlte Dienstleister des Family Office sind, geraten in Interessenkonflikte. Amtszeitbeschränkungen sorgen für Erneuerung.

Umsetzung in FLIORE

Für Beiratssitzungen liefert FLIORE konsolidierte Vermögensübersichten und Monatsberichte. Beiratsmitglieder können als externe Berater mit eingeschränkten, protokollierten Leserechten eingebunden werden; Governance-Fristen erscheinen im Compliance-Kalender.

Auf einen Blick

FunktionBeratung, Kontrolle oder Zustimmung – je nach Ausgestaltung
Typische GrößeDrei bis fünf Mitglieder
RisikoFaktische Organstellung und Haftung

Häufige Fragen

Braucht jedes Family Office einen Beirat?

Nein. Bei kleinen Family Offices genügt oft eine enge Begleitung durch die Familie. Ein Beirat lohnt sich, wenn Komplexität und Vermögen wachsen oder die Familie externe Kontrolle wünscht.

Wie wird ein Beirat vergütet?

Meist mit einer festen Jahresvergütung und Sitzungsgeldern. Erfolgsabhängige Vergütungen sind unüblich und können die Unabhängigkeit gefährden.

Haftet ein beratender Beirat?

Bei reiner Beratung ist die Haftung begrenzt. Greift der Beirat in Entscheidungen ein, steigt das Risiko einer Haftung als faktisches Organ.

Was unterscheidet Beirat und Familienrat?

Der Familienrat vertritt die Familie; der Beirat bringt externe Expertise ein. Viele Familien haben beides, mit klar getrennten Aufgaben.

Wie oft tagt ein Beirat?

Üblich sind zwei bis vier Sitzungen pro Jahr, ergänzt um Zirkularbeschlüsse oder kurze Abstimmungen bei dringenden Themen. Wichtiger als die Zahl ist eine gute Vorbereitung mit Unterlagen, die rechtzeitig vorliegen.

Quellen

Diese Seite bietet Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Maßgebend sind die zitierten Rechtsquellen in ihrer jeweils geltenden Fassung.

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