Ratgeber Vermögen
Die Vermögensbilanz der Familie
Stand: · Leutrim Miftaraj, FLIORE · Redaktionsgrundsätze · English version
Kurzantwort
Die Vermögensbilanz zeigt zu einem Stichtag alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten einer Familie zu aktuellen Werten – über Privatvermögen, Gesellschaften, Stiftungen und Trusts hinweg. Aussagekräftig wird sie, wenn sie auch offene Fondszusagen, Bürgschaften und latente Steuern zeigt, Bewertungsquellen nennt und nach Personen oder Familienstämmen gegliedert werden kann. Sie ist die Grundlage für Liquiditäts-, Nachfolge- und Anlageentscheidungen.
Mehr als eine Vermögensübersicht
Eine einfache Übersicht addiert Depots und Liegenschaften. Eine Vermögensbilanz stellt den Aktiven die Verbindlichkeiten gegenüber und zeigt das Nettovermögen. Erst dann wird sichtbar, wie viel tatsächlich frei verfügbar ist, wie hoch die Verschuldung ist und welche Verpflichtungen auf die Familie zukommen.
Aufbau
| Bereich | Inhalt | Bewertung |
|---|---|---|
| Liquidität | Konten, Geldmarkt, Festgelder | Kontostand zum Stichtag |
| Wertschriften | Aktien, Anleihen, Fonds | Kurswert zum Stichtag |
| Privatmarktanlagen | Private Equity, Private Debt, Infrastruktur | Letzter NAV, Stichtag angeben |
| Direktbeteiligungen | Familienunternehmen, Co-Investments | Bewertung mit Methode und Datum |
| Immobilien | Selbstgenutzt, vermietet, im Bau | Schätzung mit Datum |
| Sachwerte | Kunst, Edelmetalle, Fahrzeuge, Yacht | Schätzung oder Versicherungswert |
| Verbindlichkeiten | Hypotheken, Lombardkredite, Darlehen | Nominalwert |
| Außerbilanziell | Offene Zusagen, Bürgschaften, Garantien | Betrag mit Fälligkeit |
Was oft fehlt
- Offene Kapitalzusagen an Fonds, die künftig Liquidität binden.
- Bürgschaften und Garantien für Familienmitglieder oder Gesellschaften.
- Latente Steuern auf unrealisierten Gewinnen, die bei einem Verkauf anfallen würden.
- Darlehen zwischen Familienmitgliedern und Gesellschaften.
- Die Angabe, wie alt eine Bewertung ist.
Gliederungen für verschiedene Fragen
Dieselben Daten beantworten je nach Sicht unterschiedliche Fragen: nach Vermögensklasse für die Anlagestrategie, nach Person oder Familienstamm für die Nachfolgeplanung, nach Struktur für Governance und Steuern, nach Währung für das Währungsrisiko, nach Liquidierbarkeit für die Liquiditätsplanung. Eine gute Vermögensbilanz lässt sich ohne neue Erfassung nach jeder dieser Sichten auswerten.
Stichtag und Rhythmus
Für Entscheidungen genügt meist ein Quartals- oder Monatsstichtag. Wichtig ist Einheitlichkeit: Alle Werte sollten sich auf denselben Stichtag beziehen oder den abweichenden Stichtag offen ausweisen. Ein Vergleich mit dem Vorjahr zeigt, ob Veränderungen aus Markt, Zu- und Abflüssen oder Neubewertungen stammen.
Umsetzung in FLIORE
FLIORE führt Vermögenswerte, Verbindlichkeiten und Konten aller Strukturen in mehreren Währungen und konsolidiert sie anteilig zum Nettovermögen. Der Monatsbericht zeigt das Nettovermögen mit Veränderung zum Vormonat, Allokation und Entwicklung; Bewertungsdaten bleiben sichtbar, veraltete Bewertungen meldet der Datenqualitäts-Abgleich.
Auf einen Blick
| Kern | Aktiven minus Verbindlichkeiten = Nettovermögen |
|---|---|
| Oft vergessen | Offene Zusagen, Bürgschaften, latente Steuern |
| Sichten | Vermögensklasse, Person, Struktur, Währung, Liquidierbarkeit |
Häufige Fragen
Wie wird das Familienunternehmen bewertet?
Mit einer anerkannten Methode wie Ertragswert, Discounted Cashflow oder Multiplikatoren, mit Datum und Quelle. Wichtig ist Konsistenz über die Jahre, damit Veränderungen nicht nur aus Methodenwechseln stammen.
Gehört die selbstgenutzte Villa in die Vermögensbilanz?
Ja, als Teil des Gesamtvermögens, oft getrennt ausgewiesen, weil sie nicht als Anlage dient. Für Liquiditäts- und Allokationsfragen wird sie häufig ausgeklammert.
Wie oft sollte die Bilanz erstellt werden?
Für die laufende Steuerung monatlich oder quartalsweise, für Nachfolge- und Strategiefragen mindestens jährlich mit aktualisierten Schätzungen der illiquiden Werte.
Sollten latente Steuern abgezogen werden?
Für eine realistische Sicht ja, zumindest als separate Zeile. Sie zeigen, welcher Teil des Vermögens bei einem Verkauf tatsächlich bliebe.
Quellen
- Global Investment Performance Standards (GIPS) – CFA Institute
- RICS – Bewertungsstandards (Red Book)
- International Private Equity and Venture Capital Valuation Guidelines (IPEV)
Diese Seite bietet Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Maßgebend sind die zitierten Rechtsquellen in ihrer jeweils geltenden Fassung.
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