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Leitfaden Compliance

Vermögensherkunft belegen: die Matrix der Nachweise

Stand: · Leutrim Miftaraj, FLIORE · Redaktionsgrundsätze

Kurzantwort

Die Herkunft eines Vermögens wird je nach Quelle mit unterschiedlichen Belegen nachgewiesen: Lohn- und Steuerunterlagen für Erwerbseinkommen, Kaufvertrag und Zahlungseingang für einen Unternehmensverkauf, Erbbescheinigung und Teilungsvertrag für Erbschaften, Börsen- und Wallet-Auszüge für Kryptowerte. Entscheidend ist nicht die Menge der Dokumente, sondern eine Herleitung, die zeigt, wie die Belege den heutigen Vermögensstand erklären.

Vermögensherkunft und Mittelherkunft

Zwei Fragen werden oft vermischt. Die Vermögensherkunft (Source of Wealth) erklärt, wie das gesamte Vermögen einer Person entstanden ist – über Jahrzehnte. Die Mittelherkunft (Source of Funds) erklärt, woher die konkreten Vermögenswerte stammen, die in eine Geschäftsbeziehung eingebracht oder überwiesen werden. Bei erhöhtem Risiko verlangen die Geldwäscheregeln in der Schweiz, Deutschland und Österreich beides, und zwar plausibilisiert, nicht nur erfragt.

Die Matrix

Typische Nachweise je Vermögensquelle
QuellePrimäre BelegeErgänzende BelegePlausibilitätsprüfung
ErwerbseinkommenLohnausweise, SteuerveranlagungenArbeitsverträge, BonusbestätigungenEinkommen über die Jahre im Verhältnis zum Vermögen
UnternehmensverkaufKaufvertrag, Closing-Bestätigung, ZahlungseingangHandelsregisterauszüge, Presseberichte, BewertungKaufpreis, Anteil, Steuern und Datum stimmen überein
Dividenden der eigenen FirmaGeneralversammlungsprotokolle, JahresrechnungenSteuerbescheinigungenAusschüttungen passen zur Ertragslage
ErbschaftErbbescheinigung bzw. Erbschein, TeilungsvertragNachlassinventar, ErbschaftsteuerbescheidAnteil am Nachlass entspricht dem Zufluss
SchenkungSchenkungsvertrag, BankbelegSchenkungsanzeige bzw. -meldung, SteuerbescheidHerkunft beim Schenkenden ist ihrerseits erklärbar
ImmobilienverkaufKaufvertrag, GrundbuchauszugAbrechnung des Notars, HypothekenablösungNettoerlös nach Hypothek und Steuern
KapitalerträgeDepot- und Ertragsauszüge über mehrere JahrePerformanceberichteRendite im marktüblichen Rahmen
KryptowerteAuszüge der Handelsplattformen, Wallet-AdressenAnalyse der Transaktionshistorie, SteuerunterlagenKaufzeitpunkte und Kurse erklären den Wert

Die Herleitung schreiben

Eine gute Herleitung passt auf eine Seite. Sie beginnt mit dem heutigen Vermögen, nennt die wesentlichen Quellen in zeitlicher Reihenfolge mit Beträgen und verweist auf die Belege. Sie erklärt Lücken offen, statt sie zu übergehen: «Für die Jahre 1990 bis 2000 liegen keine Steuerunterlagen mehr vor; das Vermögen stammt aus der Gründung der Firma X, belegt durch den Handelsregistereintrag und Presseberichte.» Prüferinnen und Prüfer akzeptieren Lücken eher als Widersprüche.

Bei alten Familienvermögen, die über Generationen gewachsen sind, genügt häufig eine plausible, unabhängig gestützte Darstellung: Firmengeschichte, Registerauszüge, frühere Steuerbescheide, Bestätigungen langjähriger Berater. Wichtig ist, dass die Darstellung nicht nur auf Aussagen der Familie beruht.

Anforderungen an die Belege

  • Lesbar, vollständig und datiert; bei fremdsprachigen Dokumenten eine Übersetzung der wesentlichen Teile.
  • Bei erhöhtem Risiko möglichst Originale oder beglaubigte Kopien bzw. Dokumente direkt von Behörden oder Banken.
  • Bezug zur Person: Name, Datum und Betrag müssen zur Herleitung passen.
  • Unabhängigkeit: Belege Dritter wiegen mehr als selbst erstellte Aufstellungen.
  • Ablage in der KYC-Akte mit Verweis aus der Herleitung.

Praxisbeispiel (vereinfacht)

Eine Unternehmerin bringt 12 Millionen Franken in eine neue Struktur ein. Die Herleitung: 2018 Verkauf von 60 Prozent ihrer Softwarefirma für 18 Millionen, belegt durch Kaufvertrag, Closing-Bestätigung und Zahlungseingang; nach Steuern und einer Schenkung an die Kinder verblieben rund 14 Millionen; seither Anlageerträge laut Depotauszügen. Die 12 Millionen stammen von ihrem Depot bei einer Schweizer Bank, belegt durch den Überweisungsauftrag. Die Mittelherkunft ist damit ebenso klar wie die Vermögensherkunft – auf einer Seite, mit sechs Beilagen.

So entsteht eine prüffeste Dokumentation

  1. Quellen im Gespräch mit der Familie erfragen und grob beziffern.
  2. Je Quelle die primären Belege anfordern; ergänzende nur bei Bedarf.
  3. Herleitung schreiben: heutiger Stand, Quellen, Beträge, Belegverweise, Lücken.
  4. Plausibilität prüfen: Passen Beträge, Daten und Steuern zusammen?
  5. Ergebnis würdigen, bei hohem Risiko durch eine zweite Person bestätigen lassen.
  6. Bei neuen Zuflüssen die Mittelherkunft ergänzen, statt die Herleitung neu zu schreiben.

Besondere Konstellationen

Einige Konstellationen verlangen besondere Aufmerksamkeit. Bei Vermögen aus Ländern mit hohem Korruptionsrisiko oder aus staatsnahen Geschäften genügen formale Belege oft nicht; hier ist zu klären, wie Aufträge, Lizenzen oder Beteiligungen zustande kamen. Bei Kryptowerten aus frühen Jahren fehlen manchmal Börsenauszüge, weil Plattformen nicht mehr existieren; dann helfen die öffentliche Transaktionshistorie der Wallets, frühere Steuererklärungen und Bestätigungen von Beratern.

Bei Erbschaften aus dem Ausland sind ausländische Nachlassdokumente und deren Übersetzung nötig, bei Schenkungen innerhalb der Familie die Herkunft beim Schenkenden. Bei Vermögen, das über Darlehen finanziert wurde, gehört die Rückzahlungsfähigkeit zur Plausibilität. In all diesen Fällen gilt: Wo die Herkunft nicht überzeugend geklärt werden kann, wird die Beziehung nicht aufgenommen oder die Meldepflicht geprüft – eine bequeme Annahme ersetzt keine Abklärung.

Umsetzung in FLIORE

FLIORE legt Belege verschlüsselt und versioniert am Mandat ab, ordnet sie Personen zu und hält die Würdigung im Prüfprotokoll fest. Das KYC-Paket stellt Herleitung und Beilagen mit Beilagenverzeichnis für Banken oder Prüfungen zusammen.

Auf einen Blick

VermögensherkunftWie das Gesamtvermögen entstanden ist
MittelherkunftWoher die konkret eingebrachten Werte stammen
KernEine Herleitung auf einer Seite mit Belegverweisen

Häufige Fragen

Reicht eine Selbstauskunft der Familie?

Bei tiefem Risiko kann sie genügen, bei erhöhtem Risiko nicht. Dann sind die Angaben mit Belegen zu plausibilisieren, möglichst aus unabhängigen Quellen.

Was tun, wenn alte Belege fehlen?

Die Lücke offen benennen und mit unabhängigen Quellen stützen, etwa Registerauszügen, Presseberichten oder Bestätigungen langjähriger Berater.

Müssen Belege übersetzt werden?

Die wesentlichen Teile sollten in einer Sprache vorliegen, die das Family Office und eine Prüfgesellschaft verstehen. Bei hohem Risiko empfiehlt sich eine beglaubigte Übersetzung.

Wie werden Kryptowerte belegt?

Mit Auszügen der Handelsplattformen, den Wallet-Adressen und einer nachvollziehbaren Transaktionshistorie vom Kauf bis heute, ergänzt um Steuerunterlagen.

Wie oft muss die Herleitung aktualisiert werden?

Bei wesentlichen neuen Zuflüssen und im Rahmen der periodischen Überprüfung. Die bestehende Herleitung wird ergänzt, nicht ersetzt.

Gilt das auch für Schenkungen innerhalb der Familie?

Ja. Für die beschenkte Person ist die Schenkung die Herkunft; bei erhöhtem Risiko ist auch die Herkunft beim Schenkenden zu erklären.

Wie geht man mit Vermögen aus Hochrisikoländern um?

Mit verstärkten Abklärungen: Wie entstanden Aufträge, Lizenzen oder Beteiligungen, gibt es Verbindungen zu politisch exponierten Personen, und lassen sich die Angaben unabhängig bestätigen? Formale Belege allein genügen hier oft nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Beleg und Plausibilisierung?

Ein Beleg ist ein Dokument, etwa ein Kaufvertrag. Die Plausibilisierung ist die Würdigung, ob die Belege zusammen den Vermögensstand schlüssig erklären – Beträge, Daten und Steuern müssen zusammenpassen. Erst beides zusammen erfüllt die Sorgfaltspflicht.

Quellen

Diese Seite bietet Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Maßgebend sind die zitierten Rechtsquellen in ihrer jeweils geltenden Fassung.

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