Strukturen
Was ist ein Letter of Wishes?
Stand: 11. Oktober 2026 · Leutrim Miftaraj, FLIORE
Kurzantwort
Ein Letter of Wishes (Wunschbrief) ist ein Schreiben, in dem der Settlor eines Trusts oder der Stifter einer Stiftung dem Trustee bzw. Stiftungsrat seine Vorstellungen mitteilt – etwa, wie Ausschüttungen verteilt oder Begünstigte behandelt werden sollen. Er ist rechtlich in der Regel nicht bindend, leitet aber das Ermessen des Trustees und ist deshalb eines der wichtigsten Dokumente einer Struktur.
Zweck und Wirkung
Gerade bei diskretionären Trusts und Ermessensstiftungen lässt die Urkunde bewusst Spielraum. Der Letter of Wishes füllt diesen Spielraum mit den persönlichen Wünschen des Settlors: welche Begünstigten Vorrang haben, wann Kinder Leistungen erhalten sollen, welche Werte das Vermögen prägen sollen. Trustees und Stiftungsräte berücksichtigen ihn bei ihren Entscheidungen, sind aber nicht an jede Einzelheit gebunden.
Gute Praxis
- Regelmäßig überprüfen und aktualisieren, insbesondere nach Heirat, Geburt, Scheidung oder Tod.
- Datieren und versionieren – maßgebend ist die letzte Fassung.
- Vertraulich aufbewahren, aber für Trustee bzw. Stiftungsrat zugänglich halten.
- Widersprüche zur Urkunde vermeiden; im Zweifel rechtlich prüfen lassen.
Im Family Office
Der Letter of Wishes gehört zu den sensibelsten Dokumenten. Er sollte beim richtigen Trust bzw. bei der richtigen Stiftung liegen, mit Versionsgeschichte und eng begrenztem Zugriff. FLIORE versioniert Dokumente, protokolliert Zugriffe und gibt nur frei, was ausdrücklich freigegeben ist.
Praxis: Letter of Wishes und Familiengespräch
Ein Letter of Wishes wirkt am besten, wenn er nicht im Verborgenen entsteht. Viele Settlor besprechen ihre Wünsche vorab mit dem Trustee und – soweit gewollt – mit der Familie. So werden Erwartungen geklärt, und Trustees verstehen die Beweggründe. Wichtig ist, frühere Fassungen nicht zu vernichten, sondern als Historie aufzubewahren, damit spätere Entscheidungen nachvollziehbar bleiben.
Häufige Fragen
Ist ein Letter of Wishes rechtlich bindend?
In der Regel nicht. Er dient als Leitlinie für das Ermessen des Trustees bzw. Stiftungsrats.
Wie oft sollte er aktualisiert werden?
Bei jeder wesentlichen Veränderung in der Familie und sonst in regelmäßigen Abständen.
Wer darf ihn einsehen?
Typischerweise Trustee bzw. Stiftungsrat. Ob Begünstigte Einsicht erhalten, hängt vom anwendbaren Recht und der Gestaltung ab.
Quellen
Diese Seite bietet Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Maßgebend sind die zitierten Rechtsquellen in ihrer jeweils geltenden Fassung.
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