Ratgeber
Familienverfassung und Governance im Family Office
Stand: 10. Oktober 2026 · Leutrim Miftaraj, FLIORE
Kurzantwort
Eine Familienverfassung hält fest, wie eine Familie mit ihrem gemeinsamen Vermögen umgeht: Werte und Ziele, Gremien und Entscheidungswege, Rechte und Pflichten der Familienmitglieder und den Umgang mit Konflikten. Sie ist meist nicht rechtlich bindend, wirkt aber über Gesellschaftsverträge, Stiftungsurkunden und Reglemente. Ein Family Office setzt sie im Alltag um – mit klaren Zuständigkeiten, Fristen und einer lückenlosen Dokumentation.
Was eine Familienverfassung regelt
Typische Inhalte sind:
- Werte, Zweck und langfristige Ziele des Familienvermögens.
- Gremien wie Familienversammlung, Familienrat und gegebenenfalls Investment- oder Stiftungsausschuss.
- Regeln für die Mitarbeit von Familienmitgliedern im Unternehmen und im Family Office.
- Ausschüttungs- und Entnahmegrundsätze.
- Einbindung und Ausbildung der nächsten Generation.
- Verfahren für Konflikte und für die Änderung der Verfassung selbst.
Vom Papier in den Alltag
Eine Familienverfassung entfaltet ihre Wirkung erst, wenn sie im Alltag gelebt wird: Gremien tagen regelmässig, Beschlüsse werden protokolliert, Mandate und Funktionen sind befristet und werden erneuert. Damit das gelingt, braucht das Family Office einen verlässlichen Kalender, eine Ablage für Protokolle und Beschlüsse und eine Übersicht, wer welche Funktion in welcher Struktur innehat.
Besonders wichtig ist die Verbindung zur rechtlichen Ebene. Wer im Familienrat sitzt, hat nicht automatisch eine Funktion in Holding oder Stiftung – und umgekehrt. Eine saubere Dokumentation verhindert, dass Familienverfassung, Gesellschaftsverträge und Stiftungsurkunden auseinanderlaufen.
Generationenwechsel vorbereiten
Der Übergang an die nächste Generation ist der Prüfstein jeder Governance. Hilfreich ist, Wissen nicht an Personen zu binden: Strukturen, Rollen, Beschlüsse und Dokumente sollten so geführt sein, dass sie auch für Nachfolger verständlich sind. FLIORE hält die Historie aller Funktionen, Beteiligungen und Beschlüsse fest und macht Governance-Fristen sichtbar.
Auf einen Blick
| Rechtliche Bindung | meist moralisch, rechtlich wirksam über Gesellschaftsverträge, Stiftungsurkunden, Reglemente |
|---|---|
| Typische Gremien | Familienversammlung, Familienrat, Investment- oder Stiftungsausschuss |
| Überprüfung | regelmässig, insbesondere vor einem Generationenwechsel |
Häufige Fragen
Ist eine Familienverfassung rechtlich bindend?
In der Regel nicht unmittelbar. Verbindlich wird sie, soweit ihre Regeln in Gesellschaftsverträge, Stiftungsurkunden oder Reglemente übernommen werden.
Wie oft sollte eine Familienverfassung überprüft werden?
Regelmässig, etwa alle paar Jahre, und immer vor grösseren Veränderungen wie einem Generationenwechsel oder dem Verkauf des Familienunternehmens.
Wie unterstützt FLIORE die Governance?
Mit einer Übersicht über Funktionen und deren Historie, Governance-Fristen, Beschlüssen und Dokumenten mit Gültigkeit sowie einem Prüfprotokoll.
Quellen
- OECD – Corporate Governance (Grundsätze)
- FATF – Transparenz von Rechtsvereinbarungen (Empfehlung 25)
Diese Seite bietet Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Massgebend sind die zitierten Rechtsquellen in ihrer jeweils geltenden Fassung.
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