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Leitfaden Sicherheit

Zahlungsbetrug verhindern: CEO-Fraud, Rechnungsbetrug, geänderte Bankverbindungen

Stand: · Leutrim Miftaraj, FLIORE · Redaktionsgrundsätze

Kurzantwort

Zahlungsbetrug trifft Family Offices meist über täuschend echte E-Mails oder Anrufe: angebliche Anweisungen der Familie (CEO-Fraud), Rechnungen mit geänderter Bankverbindung oder falsche Bankmitarbeitende. Wirksam sind wenige, konsequente Kontrollen: Freigabe durch zwei Personen, Rückruf auf eine bekannte Nummer bei jeder Kontoänderung, Limiten und geschulte Mitarbeitende. Ist Geld unterwegs, zählt jede Minute: sofort die Bank anrufen.

Die häufigsten Maschen

Typische Formen von Zahlungsbetrug
MascheAblaufErkennungszeichen
CEO-FraudE-Mail oder Anruf «des Prinzipals» verlangt eine dringende, vertrauliche ZahlungZeitdruck, Geheimhaltung, ungewohnter Kanal, neue Empfängerbank
RechnungsbetrugEchte Lieferantenrechnung mit geänderter IBAN, oft nach Übernahme eines E-Mail-KontosMitteilung über «neue Bankverbindung», leicht veränderte Absenderadresse
Falscher BankmitarbeiterAnruf wegen angeblicher Sicherheitsprobleme, Bitte um Codes oder FreigabenAufforderung, Zugangsdaten oder Freigaben preiszugeben
Gefälschte Stimme oder VideoTäuschend echte Stimme eines Familienmitglieds per Telefon oder VideokonferenzUngewöhnliche Anweisung, Druck, Bitte um Ausnahme vom Prozess

Kontrollen, die wirken

  1. Keine Zahlung allein auf Anweisung per E-Mail, Nachricht oder Telefon – jede Anweisung durchläuft den normalen Freigabeprozess.
  2. Zwei Personen für Erfassung und Freigabe, mit Limiten je Person.
  3. Jede neue oder geänderte Bankverbindung wird telefonisch über eine bereits bekannte Nummer bestätigt, nie über Kontaktangaben aus der Mitteilung selbst.
  4. Stammdatenänderungen und Zahlungsfreigaben durch verschiedene Personen.
  5. Vereinbartes Codewort oder Rückrufregel mit der Familie für ungewöhnliche Aufträge.
  6. E-Mail-Absicherung mit SPF, DKIM und DMARC sowie Zwei-Faktor-Anmeldung für alle Konten.
  7. Regelmässige Schulung mit aktuellen Beispielen; Lob für jede gemeldete Verdachtsmeldung.

Neue Hilfe im Euroraum

Seit dem 9. Oktober 2025 müssen Zahlungsdienstleister im Euroraum vor Euro-Überweisungen prüfen, ob Name und IBAN des Empfängers übereinstimmen (Empfängerüberprüfung nach der Verordnung (EU) 2024/886). Ein Warnhinweis bei Abweichung ist ein starkes Signal – er ersetzt aber nicht die eigenen Kontrollen, zumal er nur für Euro-Zahlungen im Geltungsbereich gilt.

Sofortmassnahmen im Ernstfall

  • Sofort die auftraggebende Bank telefonisch informieren und einen Rückruf der Zahlung verlangen; jede Minute zählt.
  • Die Empfängerbank über die eigene Bank warnen lassen.
  • Strafanzeige bei der Polizei erstatten; Belege sichern: E-Mails mit Kopfzeilen, Rechnungen, Zahlungsaufträge.
  • Betroffene E-Mail-Konten prüfen und sichern, Passwörter ändern, Weiterleitungsregeln entfernen.
  • Versicherung informieren und Vorfall dokumentieren.

Praxisbeispiel (vereinfacht)

An einem Freitagnachmittag erhält die Buchhaltung eine E-Mail «vom Prinzipal»: Eine Beteiligung müsse vertraulich bis Montag mit 480 000 Euro gesichert werden, Details folgten von einer Anwaltskanzlei. Die Mitarbeiterin bemerkt den Zeitdruck und die ungewöhnliche Empfängerbank. Nach der vereinbarten Regel ruft sie den Prinzipal auf seiner bekannten Mobilnummer an – er weiss von nichts. Die E-Mail stammte von einer ähnlich lautenden Domain. Der Vorfall wird gemeldet, die Domain bei der Bank als Warnung hinterlegt und das Beispiel in der nächsten Schulung verwendet.

Warum gute Mitarbeitende hereinfallen

Betrüger nutzen nicht Unwissen, sondern Loyalität und Hilfsbereitschaft: Wer dem Prinzipal einen Gefallen tun will, umgeht im Stress den Prozess. Deshalb muss die Leitung ausdrücklich erklären, dass niemand – auch kein Familienmitglied – eine Ausnahme vom Freigabeprozess verlangen darf, und dass eine Rückfrage nie als Misstrauen gilt. Diese Haltung ist die wirksamste Kontrolle von allen.

Regeln für die Familie

Betrüger zielen nicht nur auf das Team, sondern auch auf die Familie: gefälschte Nachrichten an Familienmitglieder, angebliche Notfälle von Kindern im Ausland, falsche Investitionsangebote. Deshalb sollte das Family Office mit der Familie einige einfache Regeln vereinbaren und schriftlich festhalten. Aufträge an das Family Office erfolgen nur über vereinbarte Kanäle. Bei ungewöhnlichen oder dringenden Aufträgen ruft das Family Office immer zurück – und die Familie versteht das nicht als Misstrauen, sondern als Schutz.

Für Ausnahmen gibt es ein Codewort, das nie per E-Mail oder Nachricht übermittelt wird. Familienmitglieder informieren das Family Office, wenn ihr E-Mail-Konto oder Telefon kompromittiert wurde oder verdächtige Anfragen eintreffen. Für die nächste Generation, die mit solchen Maschen oft weniger Erfahrung hat, gehört eine kurze Einführung ins Familienprogramm.

Umsetzung in FLIORE

FLIORE erzwingt für Zahlungen das Vier-Augen-Prinzip mit getrennten Rollen, protokolliert Änderungen an Empfängerdaten und unterstützt die Zwei-Faktor-Anmeldung für alle Nutzer. Das Prüfprotokoll zeigt im Nachhinein lückenlos, wer welche Zahlung erfasst, geändert und freigegeben hat.

Auf einen Blick

Häufigste MaschenCEO-Fraud, Rechnungsbetrug mit geänderter IBAN, falsche Bankanrufe
Wirksamste KontrolleRückruf auf bekannte Nummer bei jeder Kontoänderung, Vier-Augen-Freigabe
EuroraumEmpfängerüberprüfung seit 9. Oktober 2025 (Verordnung (EU) 2024/886)

Häufige Fragen

Was ist CEO-Fraud?

Betrüger geben sich als Prinzipal, Familienmitglied oder Geschäftsleitung aus und verlangen eine dringende, vertrauliche Zahlung. Das Ziel ist, den normalen Prozess unter Zeitdruck zu umgehen.

Kann eine fehlgeleitete Zahlung zurückgeholt werden?

Manchmal, wenn die Bank sehr schnell informiert wird und das Geld noch nicht weitertransferiert wurde. Deshalb gehört der sofortige Anruf bei der Bank an erste Stelle.

Reicht die Empfängerüberprüfung der Bank?

Nein. Sie gilt nur für Euro-Überweisungen in ihrem Geltungsbereich und erkennt nicht jeden Betrug. Eigene Kontrollen bleiben unverzichtbar.

Wie schützt man sich gegen gefälschte Stimmen?

Mit Prozessregeln statt Stimmerkennung: Rückruf auf bekannte Nummer, Codewort für Ausnahmen und keine Zahlung ausserhalb des Freigabeprozesses.

Wer haftet bei einem Betrug?

Das hängt vom Einzelfall, den Bankverträgen und den eingehaltenen Sorgfaltspflichten ab. Dokumentierte Kontrollen verbessern die Position des Family Office erheblich.

Wie oft sollte geschult werden?

Mindestens jährlich und zusätzlich, wenn neue Maschen bekannt werden. Kurze Fallbeispiele wirken besser als lange Vorträge.

Wie erkennt man eine gefälschte Absenderadresse?

Oft an kleinen Abweichungen: vertauschte oder zusätzliche Buchstaben, andere Endungen oder ein Anzeigename, hinter dem eine fremde Adresse steht. Verlässlicher als jede Prüfung ist der Rückruf auf eine bekannte Nummer.

Sollten Limiten auch für Aufträge der Familie gelten?

Ja. Limiten schützen die Familie vor Betrug unter ihrem Namen und das Team vor Druck in Ausnahmesituationen.

Was tun bei einem verdächtigen Anruf der angeblichen Bank?

Das Gespräch beenden und die Bank über die bekannte Nummer zurückrufen. Seriöse Banken verlangen nie Zugangsdaten, Freigabecodes oder Überweisungen auf angeblich sichere Konten.

Sind Kryptowerte besonders gefährdet?

Ja, weil Transaktionen in der Regel nicht rückgängig gemacht werden können. Für Kryptowerte gelten deshalb besonders strenge Freigaberegeln, geprüfte Zieladressen und Testüberweisungen mit kleinen Beträgen vor grossen Transfers.

Quellen

Diese Seite bietet Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Massgebend sind die zitierten Rechtsquellen in ihrer jeweils geltenden Fassung.

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