Ratgeber Compliance
KYC für Trusts: welche Unterlagen nötig sind
Stand: · Leutrim Miftaraj, FLIORE · Redaktionsgrundsätze · English version
Kurzantwort
Für einen Trust verlangen Banken und verpflichtete Family Offices die Trusturkunde (Trust Deed) mit allen Nachträgen, Angaben und Ausweise zu Settlor, Trustee, Protector und Begünstigten oder Begünstigtenkategorien sowie Belege zur Herkunft des eingebrachten Vermögens. Bei diskretionären Trusts werden Begünstigte spätestens bei einer Ausschüttung identifiziert. Der Letter of Wishes wird oft angefragt, ist rechtlich aber nicht bindend.
Warum Trusts besonders geprüft werden
Ein Trust ist keine juristische Person. Das Vermögen gehört rechtlich dem Trustee, wirtschaftlich aber anderen Personen. Wer letztlich profitiert und wer Kontrolle ausübt, ergibt sich erst aus der Trusturkunde. Geldwäscherechtlich gelten deshalb alle Personen mit einer prägenden Rolle als wirtschaftlich berechtigt: Settlor, Trustee, Protector, Begünstigte und jede andere Person mit Kontrolle.
Die Unterlagen im Einzelnen
- Trust Deed mit allen Nachträgen (Deeds of Variation, Addition, Appointment and Retirement).
- Angaben und Ausweiskopien zu Settlor, Trustee (bei Corporate Trustees Registerauszug und Organe), Protector und namentlich bestimmten Begünstigten.
- Beschreibung der Begünstigtenkategorien bei diskretionären Trusts.
- Belege zur Herkunft des eingebrachten Vermögens.
- Steuerliche Klassifizierung für AIA/CRS und FATCA sowie Steuerdomizile mit TIN der beherrschenden Personen.
- Bei Bedarf Letter of Wishes und Protokolle wesentlicher Trustee-Beschlüsse.
Bankformulare in der Schweiz
Schweizer Banken erfassen die Angaben zum Trust mit dem Formular T nach den Standesregeln zur Sorgfaltspflicht der Banken (VSB). Es enthält unter anderem den tatsächlichen Settlor, die Begünstigten oder Begünstigtenkategorien, Personen mit Kontroll- oder Weisungsrechten wie den Protector und die Angabe, ob der Trust widerrufbar ist. Family Offices füllen es für jede Bank neu aus – mit identischen Daten, die sich zentral pflegen lassen.
Diskretionäre Trusts und Begünstigte
Bei diskretionären Trusts haben Begünstigte keinen festen Anspruch. Häufig genügt bei Aufnahme die Beschreibung der Kategorie, etwa «Nachkommen des Settlors». Spätestens vor einer Ausschüttung muss die empfangende Person identifiziert werden. Das Family Office sollte deshalb eine Liste der potenziellen Begünstigten führen und Ausschüttungen erst nach abgeschlossener Identifikation freigeben.
Typische Fallstricke
Fehlende Nachträge zur Urkunde, nicht dokumentierte Wechsel des Trustees, ein Protector ohne Ausweiskopie, Begünstigte, die inzwischen volljährig sind und eigene Angaben schulden, oder unterschiedliche Angaben gegenüber verschiedenen Banken. Jede dieser Lücken führt zu Rückfragen und verzögert Transaktionen.
Umsetzung in FLIORE
FLIORE erfasst Trusts als eigenes Mandat mit den Rollen Settlor, Trustee, Protector und Begünstigte, jeweils mit Ausweisdaten, Steuerdomizilen und TIN. Trusturkunde, Nachträge und Letter of Wishes liegen versioniert im verschlüsselten Dokumentenspeicher; das KYC-Paket stellt sie für eine Bank in einem PDF zusammen.
Auf einen Blick
| Kerndokument | Trust Deed mit allen Nachträgen |
|---|---|
| Rollen | Settlor, Trustee, Protector, Begünstigte, weitere Kontrollpersonen |
| Schweizer Bankformular | Formular T (VSB) |
| Letter of Wishes | Häufig angefragt, rechtlich nicht bindend |
Häufige Fragen
Muss der Letter of Wishes der Bank vorgelegt werden?
Eine generelle Pflicht besteht nicht. Banken fragen ihn an, um die Absichten des Settlors zu verstehen. Ob und wie er vorgelegt wird, sollte mit dem Trustee abgestimmt werden, weil er vertrauliche Familieninformationen enthält.
Wer ist bei einem Trust wirtschaftlich berechtigt?
Nach den Geldwäscheregeln in der Schweiz, in Deutschland und Österreich gelten alle Personen mit prägender Rolle als wirtschaftlich berechtigt: Settlor, Trustee, Protector, Begünstigte und weitere Personen mit Kontrolle.
Was gilt bei einem Corporate Trustee?
Dann werden die Trustee-Gesellschaft mit Registerauszug, ihre Organe und ihre Bewilligung bzw. Aufsicht erfasst. Ein beaufsichtigter Trustee senkt das Risiko, ersetzt aber nicht die Angaben zu Settlor und Begünstigten.
Wie oft müssen die Unterlagen aktualisiert werden?
Bei jeder Änderung der Urkunde oder der Rollen sowie im Rahmen der periodischen Überprüfung. Volljährig gewordene Begünstigte und neue Trustees sind typische Anlässe.
Quellen
- Haager Übereinkommen über das auf Trusts anzuwendende Recht – HCCH
- Schweizerische Bankiervereinigung – Standesregeln zur Sorgfaltspflicht (VSB)
- § 3 Geldwäschegesetz (GwG) – Wirtschaftlich Berechtigter
- Geldwäschereigesetz (GwG, SR 955.0) – Fedlex
Diese Seite bietet Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Massgebend sind die zitierten Rechtsquellen in ihrer jeweils geltenden Fassung.
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