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Leitfaden Vermögen

Der Investmentprozess im Family Office: von der Idee bis zur Überwachung

Stand: · Leutrim Miftaraj, FLIORE · Redaktionsgrundsätze

Kurzantwort

Ein guter Investmentprozess führt jede Anlageidee durch dieselben Schritte: Vorprüfung gegen die Anlagestrategie, Due Diligence zu Anlage und Betrieb, schriftliches Investment Memo, Entscheid im Investment Committee, Umsetzung mit KYC der Gegenpartei, laufende Überwachung und geplanter Ausstieg. So werden Entscheide vergleichbar, Interessenkonflikte sichtbar und Fehler nachvollziehbar – auch Jahre später.

Warum ein fester Prozess

In Family Offices kommen Anlageideen aus vielen Richtungen: von Banken, Freunden der Familie, Unternehmern, Fondsmanagern. Ohne festen Prozess entscheidet die Überzeugungskraft der Person, die die Idee bringt. Ein Prozess schützt die Familie vor Impulsentscheiden, schafft Vergleichbarkeit zwischen Ideen und dokumentiert, warum entschieden wurde – die wichtigste Grundlage, um später aus Erfolgen und Fehlern zu lernen.

Die Schritte

  1. Eingang und Vorprüfung: Passt die Idee zum Investment Policy Statement, zur Allokation und zu den Limiten?
  2. Due Diligence der Anlage: Strategie, Team, Bewertung, Renditetreiber, Risiken, Konditionen.
  3. Operational Due Diligence: Verwahrung, Bewertung, Governance, Gebühren, Reporting, Compliance der Gegenpartei.
  4. Investment Memo: schriftliche Zusammenfassung mit Empfehlung und Gegenargumenten.
  5. Entscheid im Investment Committee mit Protokoll, Bedingungen und Grösse der Position.
  6. Umsetzung: Verträge, Zeichnung, KYC der Gegenpartei, Zahlungsfreigabe im Vier-Augen-Prinzip.
  7. Überwachung: Berichte, Bewertungen, Kapitalabrufe, Abweichungen von den Annahmen.
  8. Ausstieg oder Verlängerung nach vorher festgelegten Kriterien.

Inhalt eines Investment Memos

Gliederung eines Investment Memos (Beispiel)
AbschnittInhalt
ZusammenfassungAnlage, Betrag, Empfehlung, wichtigste Gründe
EinordnungRolle im Portfolio, Beitrag zur Strategie, Wirkung auf Allokation und Liquidität
RenditeerwartungTreiber, Annahmen, Szenarien mit Bandbreite
RisikenMarkt, Liquidität, Gegenpartei, Schlüsselpersonen, Bewertung, Währung
Due DiligenceErgebnisse zur Anlage und zum Betrieb, offene Punkte
KonditionenGebühren, Laufzeit, Rückgaberechte, Interessenkonflikte
GegenargumenteWas gegen die Anlage spricht und warum trotzdem empfohlen wird
ÜberwachungKennzahlen, Berichtspflichten, Ausstiegskriterien

Interessenkonflikte und Unabhängigkeit

Konflikte entstehen, wenn Personen im Prozess eigene Interessen haben: Provisionen, eigene Beteiligungen, enge Beziehungen zum Anbieter. Sie müssen vor dem Entscheid offengelegt werden; betroffene Personen treten in den Ausstand. Ein Family Office, das keine Drittvergütungen annimmt oder diese vollständig weitergibt, beseitigt eine häufige Konfliktquelle. Der CFA-Kodex für Berufsethik formuliert dazu klare Massstäbe.

Praxisbeispiel (vereinfacht)

Ein befreundeter Unternehmer bietet der Familie eine Minderheitsbeteiligung an seinem Start-up an. Die Vorprüfung zeigt: Direktbeteiligungen sind im Investment Policy Statement mit maximal 5 Prozent des Vermögens vorgesehen, die Quote liegt bei 3 Prozent – Platz ist vorhanden. Die Due Diligence deckt auf, dass die Bewertung über vergleichbaren Finanzierungsrunden liegt und Informationsrechte fehlen. Das Memo empfiehlt eine kleinere Beteiligung mit Informationsrechten und Verwässerungsschutz. Der Investment Committee entscheidet so, mit der Bedingung eines jährlichen Reportings; der Unternehmer akzeptiert.

Was danach zählt

Die meisten Fehler zeigen sich nicht beim Kauf, sondern danach: Berichte bleiben aus, Annahmen treten nicht ein, niemand entscheidet über einen Ausstieg. Deshalb gehören Überwachungskennzahlen und Ausstiegskriterien bereits ins Memo, und jede Position wird mindestens jährlich gegen ihre ursprünglichen Annahmen geprüft. Ein Rückblick auf abgeschlossene Anlagen – was wurde erwartet, was ist eingetreten – verbessert den Prozess über die Jahre.

Grössen und Limiten festlegen

Ein guter Prozess regelt nicht nur, ob investiert wird, sondern auch wie viel. Das Investment Policy Statement sollte für jede Vermögensklasse Bandbreiten festlegen und für einzelne Positionen Obergrenzen, etwa einen Höchstanteil je Direktbeteiligung, je Fonds und je Manager. Für Privatmarktanlagen kommen Zusagen pro Jahrgang hinzu, damit Kapitalabrufe und Ausschüttungen über die Zeit verteilt werden. Wird eine Grenze überschritten, braucht es einen ausdrücklichen Entscheid mit Begründung.

Ebenso wichtig sind Regeln für den Ausstieg: Welche Entwicklungen lösen eine Überprüfung aus, etwa der Abgang einer Schlüsselperson, eine Strategieänderung oder eine Rendite deutlich unter der Erwartung über mehrere Jahre? Wer diese Kriterien beim Kauf festhält, entscheidet später sachlich statt emotional. Für die Familie schafft das Transparenz: Chancen werden nach denselben Massstäben beurteilt, unabhängig davon, wer sie eingebracht hat.

Umsetzung in FLIORE

FLIORE hält Memos, Protokolle und Verträge versioniert am Mandat fest, führt Zusagen, Kapitalabrufe und Bewertungen je Anlage und berechnet IRR und MOIC. Zahlungen laufen über die Vier-Augen-Freigabe, und das Prüfprotokoll zeigt, wer wann entschieden hat.

Auf einen Blick

SchritteVorprüfung, Due Diligence, Memo, Entscheid, Umsetzung, Überwachung, Ausstieg
KerndokumentInvestment Memo mit Gegenargumenten
KonflikteOffenlegung vor dem Entscheid, Ausstand der Betroffenen

Häufige Fragen

Braucht jede Anlage ein Investment Memo?

Jede Anlage ausserhalb bereits genehmigter Mandate sollte eines haben. Für kleine Positionen kann es kurz sein; wichtig sind Einordnung, Risiken und Ausstiegskriterien.

Wer sitzt im Investment Committee?

Meist Vertreter der Familie, die Leitung oder der CIO des Family Office und externe Fachleute. Entscheidend sind klare Stimmregeln und ein Protokoll.

Wie werden Ideen aus dem Umfeld der Familie behandelt?

Wie alle anderen: über den gleichen Prozess. Gerade bei persönlichen Beziehungen schützt der Prozess vor Entscheiden aus Gefälligkeit.

Was gehört zur Operational Due Diligence?

Verwahrung, Bewertung, Governance, Gebühren, Reporting, Compliance, IT-Sicherheit und Notfallorganisation der Gegenpartei.

Wie oft wird eine Anlage überprüft?

Laufend über Berichte und mindestens jährlich gegen die ursprünglichen Annahmen und Ausstiegskriterien.

Was ist ein Rückblick auf abgeschlossene Anlagen?

Ein Vergleich zwischen Erwartung im Memo und tatsächlichem Ergebnis. Er zeigt systematische Fehler, etwa zu optimistische Annahmen in einem bestimmten Segment.

Wie gross sollte eine einzelne Position höchstens sein?

Das legt das Investment Policy Statement fest und hängt von Vermögen, Liquidität und Risikobereitschaft ab. Wichtig ist, dass die Grenze vorher feststeht und Abweichungen ausdrücklich begründet und entschieden werden.

Wie wird mit Nachfinanzierungen umgegangen?

Wie mit einer neuen Anlage: Vorprüfung gegen die Limiten, aktualisierte Due Diligence und Entscheid. Gerade Nachfinanzierungen bei schwierigem Verlauf brauchen eine nüchterne Prüfung, ob die ursprünglichen Annahmen noch tragen.

Wer darf Anlageideen einbringen?

Grundsätzlich alle – Familie, Team, Berater, Banken. Entscheidend ist, dass jede Idee über denselben Eingang erfasst wird und dass bei Ideen mit persönlichem Interesse der einbringenden Person ein Ausstand gilt.

Wie werden abgelehnte Ideen dokumentiert?

Mit einer kurzen Begründung im gleichen Verzeichnis wie die genehmigten Anlagen. So lässt sich später nachvollziehen, warum eine Chance nicht genutzt wurde, und dieselbe Idee wird nicht ohne neue Argumente erneut vorgelegt.

Quellen

Diese Seite bietet Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Massgebend sind die zitierten Rechtsquellen in ihrer jeweils geltenden Fassung.

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