Ratgeber Compliance
Risikoprofil einer Geschäftsbeziehung erstellen
Stand: · Leutrim Miftaraj, FLIORE · Redaktionsgrundsätze
Kurzantwort
Ein Risikoprofil hält fest, wer hinter einer Geschäftsbeziehung steht, wozu sie dient, welches Vermögen und welche Transaktionen zu erwarten sind und welche Risikofaktoren vorliegen. Daraus folgt eine begründete Risikostufe mit den passenden Sorgfaltsmassnahmen. Gut gemacht dient es zugleich als Massstab für die laufende Überwachung: Was vom Profil abweicht, verlangt eine Abklärung.
Wozu das Risikoprofil dient
Das Risikoprofil verbindet zwei Fragen: Mit wem arbeitet das Family Office zusammen, und was ist bei dieser Beziehung normal? Ohne diese Grundlage lässt sich weder eine Risikostufe begründen noch eine ungewöhnliche Transaktion erkennen. Aufsichtsbehörden und Prüfgesellschaften sehen sich deshalb zuerst das Profil an, bevor sie einzelne Belege prüfen.
Bausteine des Profils
- Vertragspartei und wirtschaftlich Berechtigte mit Identifikation, Wohnsitz, Staatsangehörigkeit und Steuerdomizil.
- Zweck und Art der Beziehung: Vermögensverwaltung, Strukturverwaltung, Zahlungsverkehr, Nachfolgeplanung.
- Herkunft des Vermögens und der eingebrachten Mittel mit Belegen.
- Erwartete Vermögenshöhe, Transaktionsvolumen, Gegenparteien und Länder.
- Struktur: beteiligte Gesellschaften, Stiftungen und Trusts mit ihren Organen.
- Ergebnis von PEP-, Sanktions- und Medienprüfung.
In sechs Schritten zur Einstufung
- Personen und Rechtsträger vollständig erfassen und identifizieren.
- Struktur aufzeichnen und die wirtschaftlich Berechtigten jeder Ebene bestimmen.
- Herkunft von Vermögen und Mitteln erfragen und belegen lassen.
- Screening auf PEP-Status, Sanktionen und negative Medienberichte durchführen.
- Risikofaktoren nach den internen Kriterien bewerten und die Stufe festlegen.
- Begründung, Datum und verantwortliche Person dokumentieren; nächstes Prüfdatum setzen.
Gewichtung und Begründung
Viele Family Offices arbeiten mit einem Punktesystem je Kriterium. Das ist hilfreich, solange es die Beurteilung stützt und nicht ersetzt. Bestimmte Faktoren sollten unabhängig von der Punktzahl immer zu hohem Risiko führen, etwa ein ausländischer PEP oder ein Bezug zu einem Staat auf der schwarzen Liste der FATF. Umgekehrt darf eine gute Punktzahl einen konkreten Verdacht nicht überdecken.
Die Begründung gehört in Worte gefasst in die Akte: welche Faktoren vorliegen, wie sie gewichtet wurden und welche Massnahmen daraus folgen. Ein Satz wie «niedriges Risiko, da langjährige Familie» genügt nicht.
Auslöser für eine Neubewertung
Ein Profil ist eine Momentaufnahme. Neu bewertet wird nicht nur nach Ablauf des Prüfintervalls, sondern bei Ereignissen: neuer wirtschaftlich Berechtigter oder Begünstigter, Wohnsitzwechsel, Wahl in ein politisches Amt, Treffer im Screening, deutlich höhere Zuflüsse als erwartet, Änderung der FATF-Listen oder eine neue Gesellschaft in der Struktur.
Umsetzung in FLIORE
In FLIORE ergibt sich das Profil aus dem Mandat selbst: Personen mit Rollen, Struktur, Steuerdomizilen, Ausweisdaten, Vermögenswerten und Dokumenten. Die Risikobeurteilung zeigt, welcher Faktor die Stufe bestimmt, und das Prüfprotokoll hält jede Änderung mit Zeitpunkt und Person fest.
Auf einen Blick
| Kerninhalt | Personen, Zweck, Vermögensherkunft, erwartete Transaktionen, Struktur, Screening |
|---|---|
| Ergebnis | Begründete Risikostufe mit Massnahmen und nächstem Prüfdatum |
| Zweitnutzen | Massstab für die laufende Überwachung |
Häufige Fragen
Wer erstellt das Risikoprofil?
Die Person, die die Beziehung betreut, erfasst die Angaben; die Einstufung bei hohem Risiko sollte eine zweite Person oder die Compliance-Funktion bestätigen. So bleibt das Vier-Augen-Prinzip auch bei der Risikobeurteilung gewahrt.
Muss das Profil schriftlich vorliegen?
Ja. Geldwäscherechtliche Pflichten gelten nur als erfüllt, wenn sie dokumentiert und für Dritte nachvollziehbar sind. Ein elektronisches Profil genügt, sofern es vollständig, datiert und unveränderbar protokolliert ist.
Was ist der Unterschied zwischen Risikoprofil und KYC-Akte?
Die KYC-Akte sammelt alle Unterlagen und Belege. Das Risikoprofil verdichtet sie zu einer Bewertung und zu Erwartungen an die Beziehung. Das Profil ist damit Teil der Akte, aber deren wichtigste Zusammenfassung.
Wie detailliert müssen erwartete Transaktionen beschrieben sein?
So konkret, dass Abweichungen erkennbar werden: übliche Grössenordnung, Häufigkeit, Gegenparteien und Länder. Eine Angabe wie «diverse Zahlungen» erlaubt keine Überwachung.
Quellen
- Geldwäschereigesetz (GwG, SR 955.0) – Fedlex
- § 10 Geldwäschegesetz (GwG) – Allgemeine Sorgfaltspflichten
- Finanzmarkt-Geldwäschegesetz (FM-GwG) – Rechtsinformationssystem des Bundes
- FATF Recommendations – Financial Action Task Force
Diese Seite bietet Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Massgebend sind die zitierten Rechtsquellen in ihrer jeweils geltenden Fassung.
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