Ratgeber Vermögen
Vermögensstruktur visualisieren: das Strukturdiagramm
Stand: · Leutrim Miftaraj, FLIORE · Redaktionsgrundsätze
Kurzantwort
Ein Strukturdiagramm zeigt auf einer Seite, wer was hält: Familienmitglieder, Gesellschaften, Stiftungen und Trusts mit Beteiligungsquoten, Rollen wie Stifter, Trustee oder Protektor, Sitzstaaten und wirtschaftlich Berechtigte. Banken verlangen es bei der Kontoeröffnung, Prüfer bei der Feststellung der wirtschaftlich Berechtigten, Erben in der Nachfolge. Es muss datiert, vollständig und mit den Registern konsistent sein.
Wofür das Diagramm gebraucht wird
- Kontoeröffnung und periodische Überprüfung bei Banken.
- Feststellung der wirtschaftlich Berechtigten über mehrere Ebenen.
- Klassifizierung für AIA/CRS und FATCA.
- Steuerliche Planung und Gespräche mit Beratern.
- Nachfolgeplanung und Information der nächsten Generation.
- Prüfungen durch Aufsicht, SRO oder Prüfgesellschaft.
Was ein gutes Diagramm zeigt
Jede Einheit mit Rechtsform, Sitzstaat und, wo vorhanden, Registernummer. Jede Beteiligung mit Quote an Kapital und Stimmen, wenn diese abweichen. Bei Stiftungen und Trusts die Rollen: Stifter oder Settlor, Stiftungsrat oder Trustee, Protektor, Begünstigte. Am oberen Rand die natürlichen Personen, die wirtschaftlich berechtigt sind. Dazu Datum und Stand – ein Diagramm ohne Datum ist für eine Bank wertlos.
Darstellungsregeln
- Natürliche Personen oben, Vermögenswerte unten; Eigentum fliesst von oben nach unten.
- Einheitliche Formen je Rechtsform, etwa Rechteck für Gesellschaften, Oval für Stiftungen, Raute für Trusts.
- Quoten an jede Verbindung schreiben; Kontrolle ohne Kapital (z. B. Protektor) gestrichelt.
- Sitzstaaten mit Länderkürzel kennzeichnen.
- Legende und Datum auf jedes Diagramm.
Häufige Probleme
Das Diagramm stammt aus einer Präsentation von vor drei Jahren und zeigt eine längst liquidierte Gesellschaft. Quoten summieren sich nicht auf 100 Prozent. Unterschiedliche Banken haben unterschiedliche Fassungen erhalten. Treuhandverhältnisse sind nicht erkennbar. Jede dieser Abweichungen führt bei Banken zu Rückfragen und bei Prüfungen zu Befunden.
Ein Diagramm, eine Quelle
Am verlässlichsten entsteht das Diagramm direkt aus den erfassten Daten statt aus einem Zeichenprogramm. Dann ändert sich das Bild automatisch, wenn eine Beteiligung verkauft oder ein Stiftungsrat ersetzt wird, und alle Empfänger erhalten dieselbe, aktuelle Fassung.
Umsetzung in FLIORE
Die Vermögenskarte (Wealth Map) in FLIORE zeigt Mandate und wirtschaftlich Berechtigte als Strukturgraph mit Quoten und Rollen – erzeugt aus denselben Daten, aus denen auch Konsolidierung, Risikobeurteilung und AIA/CRS-Vorabprüfung rechnen.
Auf einen Blick
| Pflichtinhalte | Einheiten, Rechtsform, Sitz, Quoten, Rollen, wirtschaftlich Berechtigte, Datum |
|---|---|
| Empfänger | Banken, Prüfer, Berater, Familie |
| Grösste Schwäche | Veraltete Fassungen ohne Datum |
Häufige Fragen
Gibt es eine Vorschrift, wie ein Strukturdiagramm aussehen muss?
Nein. Banken haben eigene Vorlieben, erwarten aber Vollständigkeit, Quoten, Rollen und Datum. Eine klare Legende erleichtert das Verständnis.
Gehören Privatkonten der Familie ins Diagramm?
In der Regel nicht im Detail. Das Diagramm zeigt Strukturen und Eigentumsverhältnisse; einzelne Konten gehören in die Vermögensübersicht.
Wie oft muss das Diagramm aktualisiert werden?
Bei jeder strukturellen Änderung und mindestens bei der periodischen KYC-Überprüfung. Wird es aus den erfassten Daten erzeugt, ist es automatisch aktuell.
Wie werden Treuhandverhältnisse dargestellt?
Mit einer eigenen Kennzeichnung: Der Treuhänder hält formell, der Treugeber ist wirtschaftlich berechtigt. Beide gehören ins Diagramm, damit die Bank die tatsächlichen Verhältnisse erkennt.
Welche Software eignet sich für Strukturdiagramme?
Zeichenprogramme liefern schöne Bilder, die aber bei jeder Änderung von Hand nachgeführt werden müssen. Verlässlicher ist ein Diagramm, das aus den erfassten Beteiligungen und Rollen erzeugt wird und damit immer dem aktuellen Datenstand entspricht.
Quellen
- FATF – Guidance on Beneficial Ownership of Legal Persons
- Schweizerische Bankiervereinigung – Standesregeln zur Sorgfaltspflicht (VSB)
- OECD – Common Reporting Standard (CRS)
Diese Seite bietet Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Massgebend sind die zitierten Rechtsquellen in ihrer jeweils geltenden Fassung.
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